Mobilität

Die humane Qualität einer Gesellschaft kann auch an den Rechten und Möglichkeiten der Schwachen und Behinderten abgelesen werden. Aber sind diese Menschen tatsächlich schwach und behindert oder werden sie vielleicht nur - z.B. in ihren Möglichkeiten mobil zu sein - behindert, weil z.B. die Treppe oder Stufe dem Rollstuhlfahrer den Durchgang verwehrt? Wie ist es z.B. mit der alten Frau, die nicht mehr über "ihre" Straße gelangt, seit der Verkehr darauf so zugenommen hat; oder was ist mit den Jugendlichen, die für die Fahrt zur Disko auf die Hilfeihrer Eltern angewiesen sind, seit die Buslinie abends eingestellt wurde? Will man die Mobilität innerhalb einer Gesellschaft, einer Stadt oder eines Raumes bewerten, so muss man untersuchen, welche Möglichkeiten unterschiedliche Gruppen der Bevölkerung (Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ältere Menschen, Behinderte...) haben, ihre Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen.
Menschen benötigen einen Zugang zu Menschen, Orten, Gütern und Dienstleistungen, damit sie ihre Bedürfnisse befriedigen können. Die Möglichkeit bzw. Fähigkeit der Menschen, diese von ihnen gewünschten Ziele erreichen zu können, wird durch den Begriff "Mobilität" beschrieben. Mobilität bedeutet also vor allem Zugang (damit auchTeilhabe). Im Unterschied dazu ist Verkehr das Ergebnis der tatsächlichen Umsetzung dieser Bedürfnisse. Wie viel Verkehr dabei entsteht, kann zumeist nicht an dem jeweiligen Bedürfnis selbst festgemacht werden. Wir haben i.d.R. die Wahl, ob und wenn ja wie und wo wir unsere Bedürfnisse befriedigen und auch welche Verkehrsmittel wir dabei nutzen. Neben der tatsächlich realisierten Mobilität gibt es also auch nicht realisierte, aber potentiell mögliche Mobilität.
Eine klare Trennung zwischen "Mobilität" als Möglichkeit zur Teilhabe am Leben und "Verkehr" als Ergebnis tatsächlich realisierter Mobilität ist für die Festlegung und das Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungsziele unerlässlich. Während Zugang und Teilhabe eines Jeden so gut wie möglich realisiert werden sollten, ist Wachstum im Verkehr ein zumindest sehr fragwürdiges Ziel.
Viele Ziele können heute nur noch mit Hilfe entsprechender Verkehrsmittel erreicht werden. Der Verfügbarkeit dieser Verkehrsmittel (Verkehrsmittelverfügbarkeit) kommt deshalb bei der Realisierung der Bedürfnisse eine besondere Rolle zu. Sie ist neben dem bloßen Vorhandensein dieser Verkehrsmittel i.d.R. an die Erfüllung weiterer Voraussetzungen gebunden. Solche Voraussetzungen können z.B. der Besitz der entsprechenden Fahrerlaubnis, das Vorhandensein angemessener Fahr- bzw. Gehwege, das Vorhandensein sicherer Abstellmöglichkeiten oder entsprechender Fahrlinien, Haltestellen und Betriebszeiten beim ÖV sein.

verbundene Wirkfaktoren: